Historie

Geschichtliches 
Am 1.2.1984 wurde der Tagebau Bergheim - das heutige Fortunafeld – aufgeschlossen. Dieser Tagebau spielte bis Mitte der neunziger Jahre eine wichtige Rolle bezüglich der Bereitstellung von Brikettierkohle im rheinischen Braunkohlenrevier. Ferner fiel dem Tagebau Bergheim die Aufgabe zu, die Lücke der Braunkohlenförderung zwischen der zurückgehenden Kohleförderung des Tagebaues Fortuna-Garsdorf (Mitte der achtziger Jahre) und der weiteren Entwicklung des Tagebaues Hambach (Mitte der neunziger Jahre) zu schließen.  Als kleinster Tagebau im Revier – mit einer Gesamtfläche von nur 674 ha – lag das aufgeschlossene Abbaufeld inmitten der Bergheimer Stadtteile Bergheim-Mitte, Kenten, Nieder – und Oberaußem und Quadrath-Ichendorf. Eine besondere Herausforderung für den Tagebau Bergheim war, seine beschriebene Lage inmitten eines dichtbesiedelten Gebietes zu beachten, die zu Forderungen der Anwohner nach einem hohen Standard des Immissionsschutzes und nach einem raschen Abbau der Kohle sowie zügiger Rekultivierung führte.  Bereits im Jahr 2002 wurde die letzte Kohle im Tagebau Bergheim gewonnen, damit endete – unter Berücksichtigung früherer Tagebaue - die über 100-jährige Geschichte der industriellen Braunkohlengewinnung auf dem heutigen Bergheimer Stadtgebiet. Ende 2011 wurde die Herstellung der 213 ha umfassenden forstwirtschaftlichen Rekultivierung sowie der insgesamt 461 ha zu rekultivierenden Ackerflächen abgeschlossen. Im Rahmen der 700 Jahr-Feier der Stadt Bergheim am 20.5.2012 wurde die Rekultivierung des Tagebaues Bergheim der Öffentlichkeit übergeben. 
Lagerstätte und Geologie 
Die Mächtigkeit der Braunkohle betrug im Tagebau Bergheim 70 bis 80 m. Der Lagerstätteninhalt betrug 238 Mio t Kohle. Für die Gewinnung dieser Kohlemenge mussten 547 Mio m³ Abraum bewegt werden. Daraus ergab sich ein Verhältnis von Abraum zu Kohle (A:K-Verhältnis) von 2,3:1(m³:t). Die geologische Situation war dadurch gekennzeichnet, dass der Horremer Sprung das Abbaufeld in eine im Nordosten gelegene Hohe Scholle und eine im Südwesten gelegene Tiefe Scholle mit einem Versatz von ca. 120 m teilte. Hieraus resultierten sehr unterschiedliche Tagebauteufen zwischen 40 m im Osten bei Oberaußem und 280 m im Westen vor Kenten.
Wegen ihrer „Reinheit“ war die Kohle zur Weiterverarbeitung in den Veredlungsbetrieben sehr gut geeignet. Die niedrigen Aschegehalte von meist 1,0 % bis 2,5%, Wassergehalte von 55% bis 62% und Heizwerte zwischen 7800 KJ/Kg und 9600 KJ/Kg ermöglichten es, dass bereits in den Anfangsjahren des Tagebaues mehr als die Hälfte der erforderlichen Brikettierkohle für die Veredelungsbetriebe aus Bergheim geliefert werden konnte. Betriebliches 
Die revierweite Disposition der Abraum- und Rekultivierungsmaterialien spielte eine wichtige Rolle. So wurden von den 547 Mio m³ Abraum, die in Bergheim gefördert wurden, nur ca. 14% wieder im Tagebau Bergheim verkippt. Ein größerer Teil wurde per Bandanlage in den Tagebau Fortuna-Garsdorf transportiert (ca.20%). Der größte Anteil wurde jedoch per Zugbetrieb in den Tagebau Frechen (ca.66%) transportiert.  Die Verkippung und Rekultivierung des Tagebaues Bergheim wiederum erfolgte zu ca. 88% mit Material aus dem Tagebau Hambach, das über eine Fernbandanlage – dem heutigen Speedway – gefördert wurde. Hinzu kam der schon erwähnte Eigenabraum mit 74 Mio m³. Für die landwirtschaftliche Rekultivierung wurde Löss aus dem Tagebau Garzweiler über den Zugbetrieb eingesetzt, weil die Lössmächtigkeit im Abbaufeld Bergheim bis auf einzelne Bereiche nur gering war und der Tagebau Hambach nur Forstkies für die forstwirtschaftliche Rekultivierung liefern konnte.  Wegen dieser vielfältigen Transportbeziehungen zu allen anderen an der Nord-Süd-Bahn (unternehmenseigener Zugbetrieb) gelegenen Betrieben ließ sich der Tagebau Bergheim zur damaligen Zeit durchaus als „Massendrehscheibe“ des Rheinischen Reviers bezeichnen. Spezielle geologische Gegebenheiten am Westrand des Tagebaues führten zusammen mit den Abbauaktivitäten und der Grundwasserabsenkung zu einer besonderen Bergschadenssituation im Vorfeld des Tagebaues. Diese ungewöhnlichen Bodenbewegungen mit einhergehenden Gebäudeschäden wurden durch ein vorsorglich angelegtes Messstellennetz und umfangreiche markscheiderische Messungen sowohl im Tagebauvorfeld als auch im Tagebau erfasst und eingehend analysiert. Darauf basierend wurden unmittelbar verschiedene betriebliche Maßnahmen eingeleitet, die zeitnah zu einer gewünschten Entwicklung der Bergschadenssituation auf ein deutlich rückläufiges „normales“ Maß führte.  
Rekultivierung 
Der Tagebau Bergheim hat das Umfeld der gleichnamigen Kreisstadt fast 30 Jahre lang geprägt. Bereits im Rahmen der Aufstellung des Braunkohlenplans wurden in den 70er-Jahren konkrete Festlegungen zur Wiedernutzbarmachung der Tagebaufläche getroffen. Demnach musste die Fläche des Tagebaues Bergheim weitgehend landwirtschaftlich rekultiviert werden. Dabei durften Landschaftspflege und Naherholung jedoch nicht zu kurz kommen. Durch das Anlegen zusammenhängender Waldgebiete wurden diese Aspekte berücksichtigt, so dass im Ergebnis ca. 470 ha landwirtschaftliche und ca. 200 ha forstwirtschaftliche Flächen realisiert wurden, 4 ha werden später noch als Verkehrsfläche durch die Wiederherstellung der K22n als direkte Verbindung zwischen Kenten und Oberaußem genutzt.  Die Bethlehemer Höhe im Norden des Rekultivierungsgebietes, der sogenannte Hasenwinkel am Südwestrand, direkt hinter dem ehemaligen Lärmschutzwall parallel zur Heerstraße in Bergheim und der Steinbusch im Bereich von Quadrath-Ichendorf stellen die wesentlichen Waldgebiete dar. Diese drei forstwirtschaftlichen Gebiete sind durch das Bethlehemer Tal, die Kentener Mulde und den Quadrather Hang – im Sinne eines Biotopverbundes – miteinander verknüpft, wobei diese Gebiete insbesondere auch für die Oberflächenentwässerung von Bedeutung sind.  So wurde ein attraktives, abwechslungsreiches Landschaftsbild mit Talungen und Böschungen geschaffen. Zudem wurde ein umfassendes Wegenetz mit Namen und Bezeichnungen angelegt, das die Flächen für die Landwirtschaft erschließt. Gleichzeitig sollen diese Wege Freizeitaktivitäten auf dem weitläufigen Gelände buchstäblich „den Weg bahnen“. Durch die Integration von wasserführenden Biotopen als geschützte Landschaftsbestandteile wurde eine hohe ökologische Vielfalt geschaffen und fördert somit die ungestörte Entwicklung vom Aussterben bedrohter heimischer Tier- und Pflanzenarten.  
Erinnerungsstätten 
Neben der ruhigen Naherholung, vor allem für die Bergheimer Bevölkerung, kam zum Abschluss der Wiedernutzbarmachung einem weiteren Aspekt eine besondere Bedeutung zu: im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Oberfläche wurde von Einwohnern, Politikern, Vereinen und Vertretern der Kirchen der Wunsch geäußert, dass mit Gedenkstätten an markante Gebäude oder besondere Ereignisse aus der Zeit vor dem Tagebau erinnert werden soll. So wurden Erinnerungsstätten z.B. für die ehemalige Ortschaft Fortuna mit ihrer Kirche St. Barbara und dem ehemaligen Wasserturm, das alte Kraftwerk Fortuna und das Kloster Bethlehem errichtet. RWE Power unterstützte dabei die Stadt Bergheim entsprechend dem Rekultivierungsfortschritt bei der Umsetzung des gemeinsam entwickelten Konzeptes. Ein „Gipfelkreuz“ wurde auf dem mit 124 m höchsten Punkt des Fortunafelds, der Bethlehemer Höhe, errichtet. Ein Bildstock „Rette Deine Seele“ erinnert an eine frühere Andachtsstätte an fast gleicher geometrischer Position ( www.heimatfreunde-niederaussem.de/Fortunafeld/RetteDeine Seele). 
Umsiedlungs- und Rückbaumaßnahmen 
Mitten im Abbaugebiet lag die Ortschaft Fortuna, die Ende des 19.Jahrhunderts als Bergarbeitersiedlung entstanden war. Durch den steigenden Arbeitskräftebedarf der benachbarten Brikettfabrik und des Kraftwerks Fortuna entwickelte sich in den folgenden Jahren eine Ortschaft mit ca. 2000 Einwohnern. Mit der Genehmigung des Braunkohlenplans für den Tagebau Bergheim wurde auch die Umsiedlung des Bergarbeiterortes notwendig, die im Jahre 1985 abgeschlossen wurde. Aus der Besonderheit heraus, dass sich in Fortuna viele Werkswohnungen befanden, zogen die Einwohner, auch „Fortunesen“ genannt, bereits ab 1973 in die umliegenden Ortschaften Oberaußem, Niederaußem und Quadrath-Ichendorf, wo das Bergbauunternehmen neue Mietwohnungen errichtet hatte (Fortuna). Nordwestlich von Fortuna lag das in der gesamten Region bekannte Kloster Bethlehem, das ursprünglich 1648 von den Franziskanern gegründet worden war. Das Haus wurde 1967 abgerissen, nachdem es der Orden bereits 1964 im Vorgriff auf den Braunkohlentagebau geschlossen hatte. Am Ostrand des Tagebaues Bergheim, in der Nähe der Ortschaft Oberaußem befand sich das Kraftwerk Fortuna. Die Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation (RAG) hatte diesen bedeutenden Kraftwerksstandort im Jahr 1910 gegründet. Er diente zunächst vor allem der Versorgung der Stadt Köln mit Elektrizität. Die Kraftwerksleistung wurde in drei Stufen auf eine Gesamtleistung von ca. 1120 MW ausgebaut. Da hohe Investitionskosten für einen ökonomisch sinnvollen und ökologisch vertretbaren Folgebetrieb aufzuwenden gewesen wären, entschied man sich nach Inkrafttreten der Großfeuerungsanlagenverordnung, den Standort zu Gunsten der Kohlegewinnung durch den Tagebau Bergheim aufzugeben. Nach der endgültigen Stilllegung im Dezember 1988 wurde das Kraftwerk Fortuna vollständig zurückgebaut.

Autor: Dr. Dieter Gärtner
Die Nutzung einzelner Textbausteine erfolgte aus den beiden nachfolgend genannten Quellen in Abstimmung mit den dort genannten Co-Autoren. Hierbei handelt es sich um folgende Veröffentlichungen: 
1) D.Gärtner, W.Guder: 18 Jahre Tagebau Bergheim - Rückblick auf eine leistungsstarke und umweltverträgliche Tagebauführung -  Surface Mining, Braunkohle & Other Minerals, 54(2002) No.2 April/Juni
2)D.Gärtner, M.Eyll-Vetter, H.Stenmann: Drei Jahrzehnte Tagebau Bergheim - Von der Planung bis zur Rekultivierung, World of Mining-Surface & Underground 62(2010), No.6  
                                                                                     

Das Bild wurde anlässlich der 700 Jahr-Feier der Stadt Bergheim am 20.05.2012 von RWE Power der Stadt Bergheim überreicht. Das Original hängt im Foyer zum Ratssaal der Stadt Bergheim.